Schornsteinfegermeister: „Ein bisschen Glück gehört einfach dazu“

Steigt den Stötteritzer aufs Dach: Schornsteinfegermeister Detlef Suchy. Foto: Anke Brod

Steigt den Stötteritzern aufs Dach: Schornsteinfegermeister Detlef Suchy. Foto: Anke Brod

Schornsteinfegermeister Detlef Suchy plaudert in Stötteritz über Beruf und Aberglaube

Oben der Schornsteinfeger, unten ein Handwerksbetrieb. Ginge nun noch Porzellan zu Bruch, könnte man das Ganze Doppelglück nennen. Da wir es für 2018 jedoch nicht gleich übertreiben wollen, sei verraten, dass sich „unten“ keine Porzellanmanufaktur, sondern die Bauglaserei von Klaus Mohr in Stötteritz befindet. Weil zerbrochenes Glas bekanntlich ohnehin nichts hilft, dafür aber auf dem Dach besagter Glaserei der Leipziger Schornsteinfegermeister Detlef Suchy den Stötteritzern (und Anderen) bei ihrer Suche nach dem holden Glück umso kräftiger beisteht.

Soweit die segensreiche Vorrede zum Neuen Jahr.

„Ein bisschen Glück gehört einfach dazu“, davon ist der 61jährige Bezirksschornsteinfegermeister fest überzeugt. Abgesehen von drei kleineren Leiterstürzen sei ihm in seinem über 40-jährigen Arbeitsleben – zum Glück – noch nie etwas Bedrohliches passiert, auch fachlich nicht, sagt Detlef Suchy froh. „Der Beruf wird erst dann gefährlich, wenn alles zur Routine wird und man nicht mehr aufpasst“, meint er. Er nehme seine Aufgabe sehr ernst, schließlich seien Abgase im Spiel. Schon von daher müsse man stets voll konzentriert bei der Sache bleiben. Heute befänden sich im übrigen Öfen wieder auf dem Vormarsch, beobachtet der Meister, vermehrt erfreuten sich die Leute am lodernden Holzfeuer. Das strahle natürlich eine ganz andere Wärme als die Zentralheizung aus.

Aberglaube auch bei Schornsteinfegermeister

An ominösen Daten wie Freitag, dem Dreizehnten, steigt er seinen  Kunden trotzdem aufs Dach und gibt dabei schmunzelnd zu: „Einen kleinen Funken Aberglaube habe ich schon und sehe auch ungern eine schwarze Katze von links nach rechts unter der Leiter herlaufen“.

Er ist einer der Ersten, wenn es um lokale Neuigkeiten im Bezirk geht, sie schallen ihm mehr oder weniger schon von den Dächern entgegen.

Sowieso könne er ein ganzes Buch über seine Arbeit schreiben. Nachgefragt erinnert er sich an eine amüsante Begebenheit. Als Mitglied der „Black Rider“, einem internationalen Motorradclub seiner rußigen Zunft, sei er einst mit Kollegen bei einer Burg vorgefahren. „Dort fand gerade eine Hochzeit statt“, erzählt Suchy und muss auch nach Jahren noch schmunzeln: „Das Brautpaar staunte nicht schlecht, als da plötzlich über 100  Schornsteinfeger auf Motorrädern ankamen“. Ob die Ehe den Widrigkeiten des Lebens bei so vielen Glücksbringern trotzen konnte, ist unbekannt. Apropos Motorradfahrer – weibliche Kollegen bildeten in seinem Beruf nach wie vor die Minderheit. „In ganz Sachsen habe ich bislang nur zwei gesehen“, äußert sich Suchy zum berufsspezifischen Thema Emanzipation.

Strahlende Kindergesichter

Noch eine schöne Erinnerung bleibt für ihn der Einsatz in der sogenannten Sternsiedlung an der Pommernstraße. Der Geselle war krank, es sei Winter gewesen, und er habe  an dem Tag die Schornsteine höchstpersönlich gekehrt. „Da kamen Krippenkinder vorbei, sie strahlten und freuten sich riesig, dass sie mal einem echten Schornsteinfeger bei der Arbeit zusehen durften. Viele, viele Fotos habe man da geschossen. „Es war schön, vom Dach aus in die strahlenden Gesichter der Kinder  zu blicken“, freut sich Suchy nachhaltig.

Ob er nun  auch in schwarzer Kluft Silvester feierte, oder das ganze Jahr über schon genügend Glück verkörpert hat, verriet er uns nicht.

Text und Fotos: Anke Brod

Frank Schütze ist Diplom-Journalist und hat die Stötteritzer Storys gegründet, damit die Menschen im Viertel wissen, was direkt vor ihrer Haustür passiert. Sein Anspruch ist es umfassend und neutral über Leipzigs höchstgelegenen Stadtteil zu berichten. Außerdem freut er sich über Themenhinweise und Kritik.

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