„Bedrückend“ – Oberschüler am Stolperstein für Walter Handschuh

Foto: Oberschule am Weißeplatz

Foto: Oberschule am Weißeplatz

Die Gedenkstunde vor dem früheren Wohnhaus Walter Arthur Handschuhs war bewegt. Kerzen, eine Rose, ein Kranz würdigten den Mann, der dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. „Nur weil er ein Handicap hatte,“ so Paul aus der 9.Klasse der Schule am Weißeplatz, „es macht mich traurig, dass so etwas passieren konnte.“ Sein Klassenkamerad Niklas findet es bedrückend, „dass Menschen aussortiert worden sind, weil sie nicht ins Bild gepasst haben.“ Die Schüler haben sich den Film „Schindlers Liste“ angeschaut und sich so ein Bild der damaligen Zeit gemacht. Euthanasie und die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein sind Thema im Geschichtsunterricht. „Wir sollten unsere Vergangenheit kennen“, so Niklas und Lehrer Falk Borchart fügt dazu: „um die Gegenwart bewusst wahrzunehmen und die Zukunft zu gestalten.“
Der Verein „Gutshof Stötteritz“ hatte den Stolperstein initiiert, der am 26.05.2017 gelegt wurde. Die Mediengruppe der Einrichtung für psychosozial geschädigte Menschen produziert sogar einen Film über den Prozess und war bei der Fertigung des Steins dabei. Die Oberschule am Weißeplatz hat nun noch die Patenschaft für den Stolperstein übernommen. Dass sich damit der Bogen von Vergangenheit über Gegenwart zur Zukunft auf so lebendige Weise schlagen lässt, freut die Initiiatoren ganz besonders.
Walter Arthur Handschuh (geb. 1.3.1895) lebte in der Holzhäuser Straße 62 bei seiner Schwester. Der geistig behinderte Mann habe nur wenig schreiben und lesen gekonnt, aber einfache Arbeiten verrichten und sei ein ruhiger Mensch gewesen, so ist es auf www.stolpersteine-leipzig.de zu lesen. Er wurde 1939 in eine Arbeitsanstalt eingewiesen, von dort kam er in eine Heil- und Pflegeanstalt, bevor er am 12.2.1941 getötet wurde. Er wurde 45 Jahre alt.
Text: Elisabeth Enders
Foot: Oberschule am Weißeplatz

Foot: Oberschule am Weißeplatz

Frank Schütze ist Diplom-Journalist und hat die Stötteritzer Storys gegründet, damit die Menschen im Viertel wissen, was direkt vor ihrer Haustür passiert. Sein Anspruch ist es umfassend und neutral über Leipzigs höchstgelegenen Stadtteil zu berichten. Außerdem freut er sich über Themenhinweise und Kritik.

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