Mischhaus: Party zum Abschied

Manchmal vermisst man etwas erst, wenn es nicht mehr da ist. Wahrscheinlich wird es vielen Stötteritzern bei der Kulturstätte Mischhaus in der Breslauer Straße auch so gehen. Mehr als 28 Jahre war das Gebäude Treffpunkt für Ausstellungen, Lesungen, Flohmärkte, die Stötteritzer Kulturrunde oder auch die Flüchtlingsinitiative in Stötteritz. Nun soll das Mischhaus in Kürze abgerissen werden. Das eigentlich schon zur festen Institution im Stadtteil gewordene Kulturidyll mit dem grünen Garten, seinen schattigen Plätzen und dem kleinen Teich wird neuen Wohnungen weichen. Im Gegensatz zum Mischhaus werden diese neuen Immobilien hell sein, lichtdurchflutet und nobel. In ganz Leipzig wird Wohnraum dringend benötigt und da ist es kein Wunder, dass Grundstücke zu teuren Preisen den Besitzer wechseln, der im Nachgang sein Investment ebenso mindestens versilbern will. So ist der Lauf der Dinge und trotzdem wird es im Stadtteil nicht mehr wie früher sein. Ecken und Kanten und somit auch Liebenswürdiges verschwindet, wenn überall Unperfektes durch Beliebiges ersetzt wird.

Soviel ist klar. Das Mischhaus wird fehlen. In einem rasant wachsenden Stadtteil war es stets Beleg dafür, dass man in Stötteritz eben nicht nur wohnt, um früh wieder brav zur Arbeit zu gehen. Vielmehr war es wohltuender Freiraum inmitten immer mehr zugeparkter Straßen und eine feste Adresse für Kultur, Gemeinsamkeit und freundliches Miteinander. Stötteritz verliert mehr als nur eine Kulturstätte. Stötteritz verliert ein Stück Identität – für immer.

Mischhaus: Zukunft noch ungewiss

Das Mischhaus als Kulturstätte ist untrennbar mit einer Person verbunden. Steffen Birnbaum, Hausherr, Schriftsteller und zugleich Landesvorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller, braucht ebenso eine neue Bleibe. Denn das Mischhaus ist nicht nur sein Lebenswerk, sondern war zugleich sein Zuhause. Ein Umzug steht also in Kürze an. Wohin es geht, weiß der 58-Jährige noch nicht. Unklar auch, ob er noch einmal die Kraft findet, Vergleichbares erneut aufzubauen. Die Zeit wird es zeigen.

Große Party zum Schluss

Sang und klanglos wird das Mischhaus aber nicht verschwinden. Denn zum Abschluss gibt es noch einmal eine große Party. Am 2. September ab 18 Uhr steigt die Abschiedsfete. 19 Uhr lässt es dann die Band Reitler ordentlich erklingen und wird für beste Unterhaltung sorgen. Soviel ist sicher, der Abschied wird fein. Wer sich musikalisch schon einmal in Stimmung bringen will, hört an dieser Stelle schon mal bei Reitler rein. Vorbeikommen ist Pflicht!

Frank Schütze ist Diplom-Journalist und hat die Stötteritzer Storys gegründet, damit die Menschen im Viertel wissen, was direkt vor ihrer Haustür passiert. Sein Anspruch ist es umfassend und neutral über Leipzigs höchstgelegenen Stadtteil zu berichten. Außerdem freut er sich über Themenhinweise und Kritik.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.