Stötteritzer Wäldchen wird Drohnen-Übungszentrum

Foto: Thomas Wagner (Luftbilder Leipzig)

Das war es dann wohl mit der Gemütlichkeit in unserem Stadtteil und vor allem im Stötteritzer Wäldchen. Wie aus einer internen Beschlussvorlage des sächsischen Innenministeriums hervorgeht, soll in naher Zukunft im Stötteritzer Wäldchen ein Drohnen-Übungsplatz für die Bundeswehr sowie für Polizeistreitkräfte eingerichtet werden. Das Projekt, welches mit mehr als 30 Millionen Euro veranschlagt ist, soll bis Ende 2018 errichtet werden.

Hinweis: Die Unterlagen wurden mir vertraulich durch einen Mitarbeiter des Ministeriums zugespielt. An deren Echtheit habe ich allerdings leider keine Zweifel.

Drohnen im Stötteritzer Wäldchen: Was ist geplant?

„Die zentrale Lage des Stadtteils sowie die gute verkehrstechnische Anbindung innerhalb des Stadtgebiets sei geradezu ideal für die Errichtung und Betreibung eines Standortes zur unbemannten Aufklärung mittels Kleinstflugkörper“, heißt es etwas sperrig formuliert in dem Schreiben. Weiterhin wird ausgeführt: „Der Freiflächenbereich rund um die Sommerfelder Straße eignet sich vor allem für den Bau von Nutzungsgebäuden (zentrales Koordinierungsgebäude, Mannschaftseinrichtungen und Parkplätze der militärischen und zivilen Mitarbeiter). Der hintere noch dicht bewachsene Waldbereich erfüllt die notwendigen Voraussetzungen, um Aufklärungsflüge in verschiedenen Höhen zu trainieren, die Manövrierbarkeit der Drohnen auch im engen Bereichen auszuloten sowie verschiedene bildgebende Verfahren (HD, Thermalaufnahmen und Infrarot) auf ihre Tauglichkeit bei der Aufklärung in verschiedenen Einsatzgebieten zu evaluieren.“

Im Klartext heißt das, wir können uns schon mal daran gewöhnen, dass wir das Stötteritzer Wäldchen bald nicht mehr nutzen können und wahrscheinlich zahlreiche Drohnen über unseren Köpfen schwirren. Wer sich jetzt – so wie ich fragt – was das soll, muss in dem internen Schreiben einfach ein paar Seiten weiter lesen. Dort heißt es: „Die globale Gefährdungslage durch den Anstieg des internationalen Terrorismus macht den Einsatz modernster Aufklärung unumgänglich. Es braucht hochqualitative Drohnenpiloten sowie technisches Personal, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Für den Erfolg der zukünftigen Missionen ist ein zentraler Standort in Mitteldeutschland unumgänglich. Eine Erweiterung des Standortes in Stötteritz durch die Integrierung des Flugplatzes in Leipzig-Taucha für unbemannte Langstreckenaufklärer ist in die weitere Planung aufzunehmen.“ Auch das Stadtteilblog Taucha kompakt berichtet darüber

Warum ausgerechnet unser Stadtteil?

Was hat Stötteritz denn mit dem internationalen Terrorismus zu tun? Diese Frage drängt sich unweigerlich beim Lesen des Papiers auf. Wer das 40-seitige Papier genau liest, findet auch schnell die Begründung. Unter der Unterüberschrift „Sublokaler Einsatzbereich für Polizeistreitkräfte steht: „Wichtig ist aber auch, die Hinzuziehung sublokaler Aufklärungsmissionen im naheliegenden Reudnitz und Connewitz. Der Stadtteil Connewitz fällt seit Jahren durch ungebührliches Verhalten linker und rechter Gruppen auf. Um diesen Personen zukünftig habhaft zu werden, muss ein schnelles Eingreifen auch aufgrund der räumlichen Nähe des Einsatzkommandos gewährleistet werden. Reudnitz hat sich zu einem Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt. Diebstähle, Überfälle und weitere Straftaten gehören mittlerweile zum alltäglichen Straßenbild.“

Kommunikation mit dem Bürger ist eine Farce

Ehrlich gesagt, war ich darüber mehr als geschockt. Nur weil unsere CDU-geführte Landesregierung mit den Bewohnern einiger Stadtteile so ihre Probleme hat, bekommen wir eine Militäreinrichtung vor die Nase gesetzt. Der Gipfel des Ganzen steht dann auch noch im Abschnitt „Kommunikation mit der Bürgerschaft“. Darin wird überlegt, wie uns im Stadtteil das Projekt erklärt werden soll. Zitat: „Stötteritz ist seit Jahren mehrheitlich durch Menschen im angestellten Verhältnis und Familien geprägt. Mit großem Widerstand der Bevölkerung ist daher nicht zu rechnen, weil man in diesem Stadtteil genug eigene Probleme hat und in der Vergangenheit die öffentliche Auseinandersetzung mit staatlichen Einrichtungen scheute. Bei einer Bürgerversammlung in der Stötteritzer Scheune sind Bedenken der Bevölkerung mit wohlfeilen Worten zu zerstreuen.“

Meinen die das ernst? Offensichtlich schon. Ein Termin für die Bürgerversammlung wird auch schon ins Auge gefasst. Am 1. April 2018 soll dieser stattfinden. Ehrlich Leute, ich lass mich von denen nicht verarschen. Ich werde an diesem Tag da sein und ordentlich meine Meinung äußern. Bis es soweit ist, freue ich mich aber darüber, dass ihr diesen Text bis zu Ende gelesen habt und beim Aprilscherz der Stötteritzer Storys live dabei wart. 🙂

 

Frank Schütze ist Diplom-Journalist und hat die Stötteritzer Storys gegründet, damit die Menschen im Viertel wissen, was direkt vor ihrer Haustür passiert. Sein Anspruch ist es umfassend und neutral über Leipzigs höchstgelegenen Stadtteil zu berichten. Außerdem freut er sich über Themenhinweise und Kritik.

3 Gedanken zu “Stötteritzer Wäldchen wird Drohnen-Übungszentrum

  1. Pingback: Flugplatz Schwarzer Berg in Taucha wird Drohnen-Übungsplatz - Taucha kompakt

  2. Sehr geehrter Herr Schütze,
    Können Sie mich bitte zu diesem Thema (Drohnen) kontaktieren?
    Ich bin Stadträtin der Grünen für Südost und höre zum ersten Mal davon. Daher freue ich mich, wenn Sie mich bitte unter der xxxxxxxxxxx anrufen. Vielen Dank.
    Nicole Lakowa

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