Abgetaucht unters Völkerschlachtdenkmal

Völkerschlachtdenkmal Leipzig Stötteritz

Da hatte der Bürgerverein Stötteritz rund um Clemens Meinhardt vergangenen Donnerstag wahrlich zu einem feinen Termin eingeladen. Gemeinsam mit dem Leiter des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzigs, Steffen Poser, ging es in die Kellerbereiche des Völkerschlachtdenkmals.

Und da man da tatsächlich nicht alle Tage hinkommt, habe ich euch auch ein paar Fotos mitgebracht.

Neben interessanten Einblicken gab es auch viel Wissenswertes. Oder hättet ihr gewusst, dass es im Leipziger Stadtgebiet 80 bis 120 Denkmale zur Völkerschlachtdenkmal gibt? Das erste stand seinerzeit übrigens in Probstheida und war ien Holzkreuz. Lange hatte es allerdings nicht Bestand, da es von erbosten Leipzigern (Sachsen war bekanntlich auf der Seite Napoleons und somit Verlierer der Schlacht) über Nacht einfach weggesägt wurde.

Zeit der Superlative

Das Völkerschlachtdenkmal entstand zu einer Zeit der Leipziger Superlative. Der Hauptbahnhof, als Europas größter Kopfbahnhof, ist genauso prägend für diese Epoche wie die Deutsche Nationalbibliothek oder das Neue Rathaus. Ich glaube, es bedarf keiner weiteren Worte, um zu verstehen, warum das Völkerschlachtdenkmal so opulent ist.

Beeindruckend ist auch das gesamte Untergeschoss. Mehrere Meter tief und gut versteckt unter der Erde halten insgesamt 65 Pfeiler das Denkmal. Wobei der Hauptpfeiler so stark konstruiert wurde, dass er allein für die Statik des Denkmals ausreicht.

Was man von außen nicht sieht. Das Denkmal besteht lediglich zu zehn Prozent aus Naturstein. Im Inneren wurde mit Zementstampfbeton gebaut, was seinerzeit eine völlig neue Bauweise war. Vielleicht erklärt das auch den massiven Hauptpfeiler. Ich denke man wollte sichergehen, dass alles auch wirklich hält.

Baukosten schon damals explodiert

Eine interessante Randanekdote: Steffen Poser konnte den Besuchern sogar den originalen Architektenvertrag präsentieren. Er war gerade einmal eine Seite lang, handschriftlich verfasst und bestand aus drei Vertragsbestandteilen. Mehr brauchte es damals nicht, um sich einig zu werden. Vom Preis kann man allerdings nicht das selbe behaupten. Dieser war 1898 ursprünglich mit 1,2 Millionen Mark veranschlagt. Letztlich kostete die Errichtung des Denkmals mehr als sechs Millionen Mark.

Apropos Kosten: Bisher verschlang die Sanierung rund 21 Millionen Euro. Vor allem die Schäden aus dem 2. Weltkrieg – zahlreiche Mörser waren in das Objekt eingeschlagen – und die mangelnde Pflege zu DDR-Zeiten hatten dem Denkmal doch arg zugesetzt.

Dass sich der Aufwand lohnt, beweisen die Besucherzahlen. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 320.000 Besucher. Ich denke, dass kann sich sehen lassen.

Wann ward ihr eigentlich das letzte Mal im Völkerschlachtdenkmal? Schreibt mir doch eure Gedanken dazu?

Und jetzt viel Spaß mit den Bildern!

Aufmerksam wurde den Worten von Steffen Poster, Leiter des Stadtgeschichtlichen Museums gelauscht.

Aufmerksam wurde den Worten von Steffen Poster, Leiter des Stadtgeschichtlichen Museums gelauscht.

Die imposanten Säulen, die das Denkmal tragen.

Die imposanten Säulen, die das Denkmal tragen.

Mystische Aufgänge und stimmungsvolles Leuchten tauchen die Katakomben in eine besondere Atmosphäre.

Mystische Aufgänge und stimmungsvolles Leuchten tauchen die Katakomben in eine besondere Atmosphäre.

Das Innere des Völkerschlachtdenkmals.

Das Innere des Völkerschlachtdenkmals.

Die Kuppel im Innenteil. Dieser Bereich ist für alle Besucher zugänglich.

Die Kuppel im Innenteil. Dieser Bereich ist für alle Besucher zugänglich.

Ein Besuch im Völkerschlachtdenkmal lohnt sich auch, aufgrund solcher Eindrücke.

Ein Besuch im Völkerschlachtdenkmal lohnt sich auch, aufgrund solcher Eindrücke.

Auch bei Nacht stets einen Besuch wert - das Völkerschlachtdenkmal.

Frank Schütze ist Diplom-Journalist und hat die Stötteritzer Storys gegründet, damit die Menschen im Viertel wissen, was direkt vor ihrer Haustür passiert. Sein Anspruch ist es umfassend und neutral über Leipzigs höchstgelegenen Stadtteil zu berichten. Außerdem freut er sich über Themenhinweise und Kritik.

Ein Gedanke zu “Abgetaucht unters Völkerschlachtdenkmal

  1. Habe heuer zum ersten Mal dieses Denkmal besucht. Es imponiert durch seine Grösse die man vor allem durch die steinernen Figuren im Inneren erfährt. Es strahlt aber vor allem Kälte und Krieg aus. Neben den horrenden Bau- und Renovierungskosten ist es kein Ort der Erinnerung, des Friedens, der Stille und Besinnung. Die Symbolik für diese verheerende Schlacht im 19. Jhdt. ist damit völlig verfehlt. Ein Engel oder eine Friedenstaube z.B. hätte eine weitaus einleuchtendere Symbolik gehabt.

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